Es ist nicht so leicht über Vildmarkscamping zu erzählen. Irgendwie ist Vildmarkscamping das Pendant zu Gurp in Frankreich, halt nur am See und nicht am Atlantik. Die Leute hier sind ebenfalls sehr entspannt und locker. Ein Buch lesen, im See schwimmen, mit dem „Canoe“ fahren, essen, abwaschen, Hängematte, spielen – die Beschäftigungen sind vielfältig. Heute war Miriam und Michel sogar in der Sauna. Ja, richtig gelesen, Sauna! Bei fast 30 Grad! Irgendjemand kommt hier immer auf die Idee die Sauna anzuheizen. Auf dem Platz gibt es zwei Saunahäuser, jeweils eines am Hafen im Main Camp und eines im Outback.
Ab 22 Uhr gilt die Platzruhe und das klappt erstaunlich gut. Kinder spielen bis dahin lautstark draussen, dann kehrt schlagartig Ruhe ein. Vereinzelt sitzen noch Gruppen vor ihren Zelten. Viele gehen aber auch schon ins Bett und dementsprechend kommt es morgens auch schon früh zu ersten Aktivitäten. Ab 9 Uhr öffnet die Rezeption, davor wird ein Selbstbedienungswagen aufgebaut, wo gegen Bares Kaffee, Brötchen oder süße Teile (Munkors) den Besitzer wechseln. Hier gilt wie bei fast allem auf den Platz, Ehrlichkeit siegt.
Während ich diese Zeilen schreibe sind meine Gedanken weit weg. Als wir eben von einem Ausflug zurück gekehrt sind, kam uns auf der Zufahrt zum Campingplatz ein Krankenwagen entgegen. Auf dem Platz haben wir dann bei zwei Bekannten viele fremde Menschen gesehen, die alles eingepackt haben. Dort waren eigentlich ein älterer Herr und seine Tochter seit vorgestern auf dem Platz. Während unser Abwesenheit ist der Herr an einem Herzinfarkt verstorben. Die Rettung hat wohl zu lange gedauert und sie konnten für den Man nichts mehr tun. Auch wenn es schwer zu aktzeptieren ist, auch dieser Ort ist weltlich.

Damit einem aber nicht mit der Zeit der Himmel auf den Kopf fällt, ist es sinnvoll zusammen gewisse Aktivitäten zu unternehmen und wenn es nur einkaufen im nächsten Supermakt ist. Wir haben die Tage ein Plakat mit dem Hinweis auf ein Wikinger-Fest am Wochenende vom 21.-22.07. in Alshult gelesen. Also machen wir uns heute auf den Weg dorthin. Diesen kennen wir bestens, liegt Alshult auf dem Weg nach Getno Gard, wo wir noch am Montag versucht haben einen Platz zu bekommen. In Alshult angekommen ist die Enttäuschung allerdings groß als wir feststellen, das heute der 20.07. ist. Das Wikinger-Fest also erst morgen stattfindet. Wir sehen das als gutes Zeichen nach einer Woche mit dem Datum nicht mehr klar zu kommen und kehren in Alshult im Kunst-Cafe ein. Miriam und Merle teilen sich eine Waffel mit Eis und Mattes und Michel wählen nur Eis.
Als wir das Cafe verlassen ist noch viel zu viel Zeit vom Tag übrig. Anstatt nach links fahren wir erstmal rechts, Richtung Torne Camping im Norden vom Asnen. Ca. 8 km davor ist Trollberget, ein neues Naturschutzgebiet im Asnen mit Wanderwegen und Informationen. Ich habe über einen Aussichtsturm in der Gegend gelesen, von dem man eine schöne Fernsicht über das Naturresorvoir Asnen hat. Wir parken auf dem Parkplat, auf dem Campen selbstverständlich wie in allen Nationalparks verboten ist und folgen dem Pfad. Den Weg weist uns das GPS-Gerät in Form eines Smartphones, der Weg soll schwer zu finden sein. Und trotz GPS schaffen wir es uns zu verlaufen. Über einen Umweg und Querfeldein durch den Wald erreichen wir trotzdem das Ziel. Allerdings mit etwas Verlust, denn Merle hatte die falschen Schuhe an und ist früher ans Auto zurück gekehrt. Beim Anblick des schmalen Turms wird Miriam es flau und wir Jungs machen uns alleine auf die Leiter über 12 Meter in die Höhe zu besteigen. Auch mir wird es so ohne Sicherung flau im Magen, neine Jungs haben ja schliesslich einen Hang zur theatralik.

Sicher kommen wir oben an und die Plattform wackelt im Wind gewaltig. Ich frage mich wieviel Gewicht diese Konstruktion wohl aushällt? Ein Erwachsenen und zwei Kinder wird es wohl schon aushalten, ausserdem sind wir jetzt eh schon oben und der Ausblick entschädigt für alles. Nach dem einen oder anderen Erinnerungsfoto machen wir uns wieder auf an den Abstieg und kehren auf dem richtigen Pfad zurück zum Auto. Dort etwartet Merle uns sehensüchtig. Im Auto war es ihr zu heiss und so hat sie die Zeit liegend auf einer Bank verbracht.
Anstatt den gleichen Weg zurück, fahren wir weiter Richtung Torne und überqueren dort eine Brücke über den Asnen. Auf der anderen Seite fahren wir über kleine Straßen entlang des Asnen durch eine wunderschöne Landschaft zurück nach Urshult, biegen aber nicht ab nach Hättaboda sondern folgen der Reichstraße nach Tingsry. Da der Kühlschrank nicht sonderlich groß ist und wir auch im Urlaub die Essensplanung gerne spontan entscheiden, müssen wir noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Neben Salat gibt es auch zwei Brathähnchen. Spontanität ist alles. Mit dem einkäufen unter dem Arm geht es zurück zum Auto. Kaum sitzen wir wieder auf unseren Plätzen fällt Merle ein, dass sie die Haargumies vergessen hat. Nach wenigen Metern fahren wir bei einem ICA rechts ran und besorgen diese noch schnell. In den ersten Jahren waren wir gerne in den ICA’s, allerdings erinnern diese sowohl postitiv wie negativ an den Albert Heijn in den Niederlanden. Viel zu viele Produkte sind mit viel zu viel Plastik verpackt. Die Fast-Food Kultur in beiden Ländern ist teilweise bedenklich. Auch in Deutschland werden die Supermärkte sich wohl oder übel mehr und mehr anpassen.
Zurück in Vildmarkscamping setzen wir uns an eine der Grillstellen zu einigen anderen Dänen und verspeisen das Gillhähnchen mit einer ordentlich Portion Salat und Baguette. Anschliessend wollen Mattes und ich es wissen. Wir scnhappen uns das einzige Ruderboot das noch im Hafen liegt und paddeln nach draussen. Leider haben wir ein Quietsche-Boot erwischt. Das linke Ruderblatt macht höllisch laute Geräusche, als Fisch würde ich weit weg schwimmen und mich nicht eine Sekunde in der Nähe unseres Bootes aufhalten. Und so kommt es wie es eigentlich immer kommt, trotz dem Luxus auf dem Wasser zu angeln und nicht vom Ufer, fangen wir überhaupt nichts. Dafür kostet uns der Bootsausflug einige Spinner den ein oder anderen Wobbler. Enttäuscht und dennoch glücklich kehren wir nach fast zwei Stunden zurück in den Hafen. Zurück am Platz geht es dann auch Richtung Bett. Merle möchte in der Hängematte schlafen, was nach einem Blick auf den Regenradar für die Nacht auch gerne genehmigt wird. Wir sitzen noch zu dritt einen Moment draussen und lesen, dann geht es ins Bett.