Heute Nacht haben wir sehr gut geschlafen. Von den Kindern war die ganze Nacht nichts zu hören, trotzdem wache ich wieder zu früh auf. Mit allen Kindern gehe ich zum Kiosk um frische Brötchen zu holen. Allerdings ist die Ausbeute relativ gering, nur noch einige normale, weiße und schmale Brötchen stehen zur Auswahl, darunter eine Korb mit kleinen Kanelbulla wovon ich ebenfalls ein paar in eine Tüte packe. Nach dem bezahlen verlassene wir den den Kiosk und besuchen noch neben an die Spielhalle. Dort gibt es neben einer Tischtennisplatte auch ein Trampolin und verschiedene Spielautomaten. Mein “Kinder kommt bitte, wir wollen Frühstücken” möchte leider nur Merle hören und so schlendern wir langsam Richtung Platz. Auf dem Weg entdecke ich, dass die Kanelbulla noch warm sind und daher muß das erste schon auf dem Weg von mir und Merle unbedingt probiert werden. Sie sind der Kracher! Zimtig, locker, in der Mitte saftig, genau richtig teigig und herrlich warm.


Zum Frühstück wird Merle beauftragt die Jungs zu holen, aber leider nur mit halben Erfolg. Im Schlepptau von Merle takelt nur der kleine Michel hinter her. Der Mattes hätte einen Freund gefunden und hat jetzt keine Zeit, zu sehr ist er mit dem Formel 1 Simulator in der Spielhalle beschäftigt. Wir Frühstücken also ohne Mattes und genießen die restlichen Kanelbullar. Gegen Ende des Frühstücks kommt dann auch Mattes zurück.

Gestärkt fangen wir mit dem täglichen Trott an, der immer folgt wenn wir den Platz wieder verlassen. Zwar ist der Campingplatz echt schön und die Sanitären Einrichtungen toll, aber diese winzigen schwarzen Käfer die einen am ganzen Körper, selbst am helllichten Tag befallen sind einfach nervig. Ausserdem wollen wir noch etwas in die Wildnis und den angeblich “schönsten Campingplatz” in Schweden am Stora Bör besuchen. Bevor wir aber wieder nach Norden fahren bedarf es also noch ein paar lästiger Aufgaben zu erledigen. Miriam schnappt sich die Kinder und geht mit ihnen abspülen und duschen. Ich packe die restlichen Sachen ein und warte auf das Geschirr. Dann fahre ich los, ca 20 KM südlich um Michels Sandalen zu holen, die wir am Abend zuvor an der Schlossruine vergessen haben. Als ich zurück bin sind die Kinder bereits im beheizten Schwimmbad auf dem Campingplatz. Der Eintritt ist für Campinglatz Besucher übrigens nicht frei sondern kostet pro Person und Tag 20 Kronen. Ich nutze die Zeit und die Möglichkeit eines Hotspots und lade einige Bilder in die Dropbox und schreibe endlich wieder im Reisetagebuch.

Kurz vor der Abfahrt essen wir noch die Reste der Pizza und machen uns dann los. Vom Campingplatz Vita sandar sind es nur wenige KM zurück nach Mellerud. In Medellerud biegen wir auf die E45 Richtung Åmal (Ich muss dringend den Film “Fucking Åmal” anschauen”), biegen aber schon nach einigen Kilometer wieder links ab und folgen einer Landstraße Richtung Håverud. Hier befinden wir uns Mitten in Dalsland mit dem berühmten Dalsland Kanal der sowohl bei Motorbooten, Segelschiffen und Kanuten sehr beliebt ist. Der Dalslands Kanal besteht aus einem 250 Kilometer langen Seensystem, verbunden durch 21 Schleusen die sich uf 17 Schleusenstationen verteilen und einen Höhenunterschied von 59 Meter überbrücken. Die schwierigste Aufgabe beim Bau des Knalls in der 1860er war die Überbrückung der Stromschnellen von Håverud. Auf Grund der dortigen Bodenverhältnisse war der Bau einer normalen Schleusenanlage viel zu Aufwendig, Daher entschloss man sich zum Bau eines Aquädukt, in Form einer schwebenden Stahlblechwanne zum Transport der Schiffe. Von der Eigenwilligkeit der Konstruktion konnten wir uns vor Ort überzeugen. Pünktlich zu unserer Ankunft gab es zwar erstmal einen Regenschauer und die Schleusung eines Knadiers gehört sicherlich nicht zum spannendsten Programm, kurz darauf kam aber die Sonne wieder und neben einer Motoryacht noch zwei Segelschiffe, deren Mast so lang ist, das die über den Aquädukt verlaufende Eisenbahnbrücke nach oben geklappt werden mußte, damit die Schiffe unten durch passen. so haben wir locker zwei Stunden in Håverud an der Schleuse verbracht und gespannt an den verschiedenen Stationen zugeschaut. Auf wenigen Metern durchlaufen die Schiffe ca 5 Schleusen bis sie auf das Niveau des Svansfjö sind und hinaus fahren können.

Als nächstes steht wieder eine lästige Aufgabe bevor, wir müssen unsere Vorräte in Bengtfors auffrischen. Dazu fahren weiter auf der Landstraße Richtung Dals Lång. Die Strecke dorthin hat es in sich, die “höchschte” Konzentration des Fahrers in Anspruch nimmt aber trotzdem eine Menge Spaß bringt. Derjenige der diese Straße zu verantworten hat muß betrunken gewesen sein oder ein Freund von spektakulärere Streckenführung. In einem entsprechenden Fahrzeug mit der Garantie auf keinen Gegenverkehr wäre diese Strecke ein großer Spaß. Eine Achterbahnfahrt für ein Auto, allerdings ohne Looping. Miriam hat gegen Ende ein kleines Video von unserer Fahr gedreht das einen kleinen Eindruck von der Fahrt vermittelt. Es ging hoch und runter, links und rechts und das alles gemischt. Alle Insassen hatten viel Spaß und um uns herum eine wunderschöne Landschaft aus Wäldern, Bächen und Seen… also Schweden wie wir es idealtypisch verstehen.

In Bengtfors angekommen ist die Hölle los, am nächsten Tag findet der berühmte Kanumarathon über 55 KM statt. So ist die kleine Stadt völlig überlaufen. Wir suchen schnell die nächste Möglichkeit unsere Einkäufe zu erledigen und verlassen Bengtfors so schnell wie möglich wieder. Unser nächstes Ziel ist der Stora Bör, dazu können wir von Bengtfors entweder die 172 nach Årjäng und von dort die E18 Richtung Karlstad nehmen, oder… ja oder einfach mitten durch die Pampa! Die Pampa ist unser Freund denken wir, ausserdem viel weniger Kilometer. So machen wir uns ein kurzes Wegstück zurück um dann auf eine Teerstraße abzubiegen, der direkte Weg entlang des Östra Silen. Nach wenigen 100 Metern wird aus der Teerstraße eine Schotterstraße und die Breite der Straße begrenzt sich auf die Breite unseres Busses. Nur noch selten erscheint am Wegesrand ein Haus oder ein Zeichen von Zivilisation. Doch die Natur ist Atemberaubend und immer wieder haben wir Sicht auf einen See. Einige Plätze laden zum verweilen ein, doch die meisten Plätze scheinen Privat zu sein. Ausserdem suchen wir zwar die Wildnis, aber so wild muß es dann vlt heute doch nicht sein…

Die Strecke dauert sehr lange, manchmal sind wir uns nicht so sicher ob wir wirklich richtig sind, doch eine Möglichkeit abzubiegen gab es nicht. So sind wir froh als die ersten Straßenschilder wieder auftauchen und den Weg uns weisen. An einer Abzweigung entscheiden wir und für den rechten Weg Richtung Karlstad und kommen wenige Kilometer später exakt an der Stelle auf die E18 an der auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Abzweigung zu unserem Campingplatz verläuft. Wir müssen die E18 also nur überqueren und sind 1500 Meter später an der Einfahrt zum Campingplatz Camp Grinsby. Dieser liegt malerisch in einer Bucht des Stora Bör, kostet 180 Kronen die Nacht und es gilt die freie Platz Wahl.

Wir haben Schwierigkeiten einen geeigneten Platz zu finden, vlt sind wir aber einfach auch nur zu müde und zu hungrig. Der Platz ist insgesamt recht hügelig und unsere Ausgleichskeile zu klein, auf große Experimente habe ich aber auch keine Lust und so wählen wir einen kleinen Platz direkt an einem Weg mit viel Durchgangsverkehr, aber direkt am See. Am nächsten Tag wollen wir uns dann einen schöneren Platz suchen.

Ich gehe schnell los und hole uns für 40 Kronen eine Karre voll mit Holz, Miriam besorgt uns eine Feuerstelle die überall auf dem Platz herumstehen. Die Dinger sind praktisch, aber leider etwas hoch. Wenn wir in unseren Stühlen sitzen, sind wir auf Augenhöhe mit dem Feuer. Ich mache uns rasch ein Feuer an, zum einen weil es gemütlich ist, zum anderen weil es hier recht frisch am Abend ist. Zum Abendessen bereite ich Spiegelei mit Speck und dazu Baguette, Käse und Wurst. Miriam bereitet uns einen leckeren Salat und wir lassen es uns gut gehen. Nach dem Abspülen das auf den Campingplätzen traditionell die Kinder erledigen (selbst Michel ist nun ein geübter Tellerwäscher), machen wir es uns mit Bier, Buch und Marshmallow am Feuer gemütlich. Vor uns ein Feuer, dahinter der freie Blick über den See…

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